Wenn Philipp Heise neue Totengräber-Käfer für seine Forschungen braucht, geht er in den Wald. Dort vergräbt er einige Joghurtbecher und legt ein Stück Aas darauf. Durch den Verwesungsgeruch werden Totengräber angelockt, die das Fleisch als Vorrat für ihre Jungen konservieren möchten. Sobald ein Käfer beginnt, das Aas mit seinem Speichel einzubalsamieren, fällt er in den Becher und landet schließlich im Labor der Fraunhofer-Projektgruppe Bioressourcen in Gießen.
Dort ist der Totengräber der Gattung Nicrophorus in bester Gesellschaft anderer Insekten, die wie er über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen und daher prädestiniert sind als Forschungsobjekt für die Insektenbiotechnologie – einem innovativen Forschungsgebiet, das von Professor Dr. Andreas Vilcinskas geprägt wurde. Vilcinskas ist Professor für Angewandte Entomologie an der Universität Gießen und Leiter der Fraunhofer-Projektgruppe Bioressourcen. Die Projektgruppe ist Teil des LOEWE-Zentrums für Insektenbiotechnologie und Bioressourcen, das Vilcinskas mit Hilfe des hessischen Forschungsförderprogramms LOEWE aufgebaut hat und heute leitet.
»Durch die enge Anbindung an die Universität können wir das akademische Netzwerk nutzen und bei Fraunhofer Produkte entwickeln, die wir mit der Industrie auf den Markt bringen«, betont Vilcinskas. Zurzeit sind die rund 85 Mitarbeitenden der Projektgruppe noch auf fünf Standorte verteilt. In zwei Jahren werden sie das neue Forschungsgebäude beziehen können, das zurzeit in Gießen gebaut wird.