Service-Roboter
Maschinen erobern immer mehr Einsatzbereiche und helfen Menschen, bessere Entscheidungen zu treffen. Die International Data Corporation (IDC) rechnet mit weltweiten Ausgaben für kognitive Lösungen in Höhe von über 40 Mrd US-Dollar bis zum Jahr 2020. Fraunhofer will die Aktivitäten in den relevanten Forschungsfeldern stärker bündeln und zielgerichtet vorantreiben.
Service-Roboter Paul begrüßt neuerdings als Einkaufsassistent die Kunden in einem Elektronik-Fachmarkt in Ingolstadt, fragt nach ihren Produktwünschen und begleitet sie zum entsprechenden Regal. Auf dem Weg plaudert er übers Wetter und stellt schließlich ein paar Feedback-Fragen, zum Beispiel ob man mit seiner Leistung zufrieden sei. »Er agiert in einer dynamischen Alltagsumgebung, in der er Objekte oder Personen erkennt und darauf reagiert«, erklärt Martin Hägele, Abteilungsleiter Roboter- und Assistenzsysteme am Fraunhofer IPA. Via Sensoren nimmt der Roboter Informationen über seine Umwelt auf, um jederzeit verlässlich zu navigieren und Personen für die Dialogführung zu orten.
In Paul steckt die Roboterplattform Care-O-Bot4®, die vom Fraunhofer IPA ursprünglich zur aktiven Unterstützung des Menschen in Haushalt, Hotel, Pflegeheim oder Krankenhaus entwickelt wurde. Nun soll sie zunehmend in Unternehmen eingesetzt werden.
Umgebungen verstehen, Handlungen planen, auf Hindernisse reagieren, mit Menschen kommunizieren – diese Herausforderungen meistern kognitive Systeme mit Methoden des Maschinellen Lernens. Dabei lernen Maschinen auf Basis von Beispieldaten eine Aufgabe zu lösen und das Erlernte auf neue Situationen zu übertragen. So können sie Prozesse planen und optimieren, Prognosen treffen, Muster oder Auffälligkeiten erkennen sowie Bild- und Sprachsignale analysieren – und bilden die Grundlage für wichtige Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren oder autonome Roboter.
Dass Einkaufsassistent Paul sogar die Laune seines Gegenübers erkennen und eigene Gemütszustände zum Ausdruck bringen kann, verdankt er der vom Fraunhofer IIS entwickelten Software SHORE und »Affective Computing«. Hier werden Emotionen in Mimik maschinell erkannt, Sensordaten fusioniert und Biosignale wie Puls, Stimme, Gestik oder Bewegung analysiert. So lassen sich Stresslevel von Autofahrenden oder Fabrikarbeitern und -arbeiterinnen ebenso ermitteln wie Kundenwünsche oder -bedürfnisse. »Analysten halten Affective Computing für den kommerziell am schnellsten wachsenden Markt im Themenfeld Maschinelles Lernen«, erläutert Dr. Jens-Uwe Garbas, Gruppenleiter Intelligente Systeme am Fraunhofer IIS.