Um in der Masse an Daten die relevanten Informationen zu finden, bedarf es nicht nur effizienter Software- und KI-Lösungen, sondern auch einer hilfreichen visuellen Aufbereitung. Solche nützlichen Werkzeuge für Mediziner, Epidemiologen oder Gesundheitsämter entwickelt das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt. Dazu zählen zum Beispiel visuelle Datenanalyse- Tools für Populationsstudien sowie Aufbau und Vergleich von Patientenkohorten.
Nicht immer gelingt eine lückenlose Datenerfassung. Wo sich nicht auf vorhandene Daten zurückgreifen lässt, liefert die Mathematik hilfreiche Werkzeuge, um wichtige Fragen zu beantworten. Im Fall einer Pandemie: Wie wird sich die Infektion ausbreiten und welche Maßnahmen sind angemessen und wirkungsvoll? Eine große Unbekannte in der Corona-Gleichung ist die Dunkelziffer. Sie hilft nicht nur, unterschiedliche Sterblichkeiten zu erklären, sondern auch für Prognosen über die weitere Entwicklung und zu treffende Maßnahmen. Forschende am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM überarbeiteten ein ursprünglich für die Fahrzeugentwicklung genutztes statistisches Modell, um die Dunkelziffer der Infizierten in unterschiedlichen Ländern zu ermitteln. So ließen die Berechnungen Ende April 298 000 unentdeckte Infektionen in Deutschland vermuten, inklusive 40 Prozent asymptomatischer Fälle.
Um die verantwortlichen Stellen bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen, entwickelten die Mathematikerinnen und Mathematiker in Kaiserslautern zudem ein spezielles Simulationsmodell. Es verwendet zeitlich variable Parameter, die aus den erhobenen Fallzahlen geschätzt und mit weiteren statistischen Daten abgeglichen werden. Damit lässt sich die Wirkung von Maßnahmen auf die Infektionsrate beurteilen. Auf diese Weise konnten die Forschenden, gemeinsam mit Max-Planck, Helmholtz und Leibniz, im April 2020 anhand unterschiedlicher mathematischer Modellierungen die erfolgversprechendste Strategie in der Pandemie errechnen: die konsequente Eindämmung von Neuinfektionen, bis es möglich ist, Kontakte effektiv nachzuverfolgen, und im Anschluss ein adaptives Vorgehen, bei dem neue Fälle rückverfolgt und kontakteinschränkende Maßnahmen nachgesteuert werden können.